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Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln
Integration in den Arbeitsmarkt (c) Erzbistum Köln/Hirschbeck

Integration in Arbeit

Integration in den Arbeitsmarkt

Arbeit ist ein Menschenrecht und zugleich ein wichtiger Beitrag zur Integration von Flüchtlingen in unsere Gesellschaft. Die Gesetzeslage zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten ist in den letzten Jahren deutlich vereinfacht worden. Dennoch sind erhebliche Hindernisse für eine faire Teilhabe an guter Erwerbsarbeit in Deutschland geblieben. Hier unterstützt die "Aktion Neue Nachbarn".

In zahlreichen katholischen Diensten und Einrichtungen unterstützen berufliche Fachkräfte die Integration von Geflüchteten in den Arbeit und Ausbildung mit professionellen Beratungs- und Qualifizierungsangeboten. Ihre Arbeit wird innerhalb der "Aktion Neue Nachbarn" vernetzt und mit neuen Initiativen zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements sowie der gezielten Beratung kirchlicher Arbeitgeber verbunden.

Einladung zum „Peer-to-Peer“-Fachtag "Neue Nachbarn - auch am Arbeitsplatz"

Das Projekt „Neue Nachbarn – auch am Arbeitsplatz“ hat zum Ziel, in den kommenden zwei Jahren 550 Jobpatenschaften sowie 30-Peer-Jobpatenschaften zu initiieren, davon mindestens 15 für Frauen.

Fortbildung: in Arbeit und Ausbildung begleiten

Das Online-Seminar „Geflüchtete Menschen in Arbeit und Ausbildung begleiten“ richtet sich an Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe und Arbeitgeber. Acht Unterrichtseinheiten vermitteln wichtiges Strukturwissen.

NRW dankt Ehrenamtlern

Beim Tag des Ehrenamtes der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in NRW wird ehrenamtliches Engagement im Bereich der Arbeitsmarktintegration gewürdigt. In einer gemeinsamen Erklärung danken Verbände und Institutionen den Ehrenamtlern für ihr Engagement.

„Perspektive Jobtandems“ – eine Ausstellung

In der Ausstellung „Perspektive Jobtandems“ und dem Begleitheft erzählen Geflüchtete und deren Mentoren, was für sie eine Jobpatenschaft ausmacht und mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind. Sie können die Ausstellung kostenlos ausleihen.

5 Tipps für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber

  1. Melden Sie sich beim Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit.
  2. Sie sind nicht allein! Im Internet finden Sie gute Informationen, um sich schnell zu informieren. Vor allem auf den Seiten des „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ finden Sie viele hilfreiche Informationen und Hinweise.
  3. Die Willkommenslotsen der IHK und HWK sind darauf spezialisiert, Geflüchtete in Ausbildung zu vermitteln. Lassen Sie sich dort in die Datenbank aufnehmen.
  4. Informieren Sie sich im Internet. Unter den zahlreichen Portalen empfehlen wir Ihnen die Seiten des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) und die Übersicht „Der Unternehmenswegweiser“ des Projektes Unternehmen Berufsanerkennung.

Willkommen Kollege! Willkommen Kollegin!

Vom 1.5.2016 bis 30.04.2019 unterstützte die Aktion Neue Nachbarn im Projekt Willkommen Kollege! Willkommen Kollegin! mit spezifischen Beratungs- und Qualifizierungsangeboten katholische Anstellungsträger im Erzbistum bei der Integration Geflüchteter in reguläre, sozialversicherungspflichtige Arbeits- und Ausbildungsplätze. Im Ergebnis wurden 101 erfolgreiche Einstellungen Geflüchteter registriert, davon 66 in zukunftsträchtige Ausbildungsberufe beispielsweise in der Pflege oder in Küche und Hauswirtschaft. In der Serie "Arbeitgeber des Monats" hat das Domradio interessante Beispiele guter Praxis dokumentiert.

Johanna Schneider

Projektreferentin

5 Tipps an zukünftige Jobpatinnen und Jobpaten

  1. Werden Sie zum Dauerläufer!

    Viele Geflüchtete wollen am liebsten sofort in den Beruf einsteigen, um Geld zu verdienen. Für eine längerfristige Perspektive ist es jedoch wichtig, die beruflichen Möglichkeiten zu kennen, um nicht im Niedriglohnsektor zu verharren.

  2. Nutzen Sie Ihre eigenen Netzwerke!

    Jeder kennt jemanden, der wieder jemanden kennt. Oftmals tun sich neue Möglichkeiten und Ideen auf, wenn man über die Ziele, die man sich als Tandem gesteckt hat, spricht. Erzählen Sie in der Nachbarschaft, in der Gemeinde und im Freundes- und Bekanntenkreis von den Berufswünschen Ihres Mentees.

  3. Sprechen Sie!

    Sprache ist das A und O. Versuchen Sie so viel wie möglich, in deutscher Sprache zu erklären und zu vermitteln. Auch der Besuch eines Kurses, um die berufsspezifische Sprache zu erlernen, ist ein guter Wegbegleiter in das Arbeitsleben.

  4. Erklären Sie die deutsche Arbeitswelt!

    In vielen Ländern läuft der Arbeitsalltag anders als hierzulande. All das, was für Sie als selbstverständlich erscheint, kann für Ihren Mentees völlig fremd sein. Erklären Sie also auch die Dinge, die für Sie Routine sind.

  5. Feiern Sie auch kleine Erfolge!

    Freuen Sie sich über jeden Erfolg, den Sie zusammen im Tandem erzielt haben. Je mehr Erfolge sichtbar sind, desto größer ist die Motivation, weitere Ziele zu verfolgen.

Johanna Schneider

Projektreferentin

Drei Job-Tandems stellen sich vor

Willi Rauschenberg (l.) ist Jobpate für Bilal

Willi Rauschenberg, 68, aus Kaarst:

Als Willi Rauschenberg Anfang 2016 in den Ruhestand ging, suchte der frühere Geschäftsführer eines mittelständischen Betriebes eine sinnvolle Aufgabe. Er fand sie unter anderem in der Flüchtlingsarbeit und betreut inzwischen vier syrische Brüder im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Während es zunächst um die Vermittlung der Sprache ging, haben sich mit der Zeit ganz unterschiedliche Bedürfnisse herauskristallisiert. Für den zweitältesten der Brüder, den 21-jährigen Bilal, ist er mittlerweile zum Jobpaten geworden: Er hat ihm einen Praktikumsplatz als Friseur besorgt. Ein Handwerk, das Bilal bereits in seiner Heimat erlernt hatte. „Man muss an viele Türen klopfen und oft auch Vorbehalte überwinden“, so Willi Rauschenberg. Zugleich muss er seinen Schützlingen vermitteln, was im Arbeitsalltag in Deutschland gefragt ist.

Alfons Kelz, 66, aus Bonn:

Alfons Kelz engagiert sich seit Sommer 2014 in der Flüchtlingsarbeit. Gemeinsam mit seiner Frau beteiligte er sich zunächst an einem Begegnungscafé für Menschen, die in einer Flüchtlingsunterkunft in seiner Nachbarschaft leben. Dort musste er feststellen, dass die Besucher nicht nur Gemeinschaft suchen, sondern auch große Nöte und Sorgen mitbringen, die viel mit organisatorischen Fragen zu tun haben: Wie finde ich einen Kindergartenplatz? Wie komme ich an eine Wohnung? Wie lassen sich berufliche Perspektiven entwickeln? Hier hilft der Ruheständler, der früher bei einer Sparkasse beschäftigt war, ganz konkret bei Behördengängen oder beim Ausfüllen von Formularen. „Ich habe seither sehr viel Zeit im Jobcenter verbracht“, sagt Alfons Kelz.

Magdalena Trockel-Schroers, 56, aus Bonn:

Die selbstständige Hausverwalterin hat zunächst eine Alphabetisierungsgruppe in einem Flüchtlingsheim in ihrer Nachbarschaft angeboten. Sie betreute dort überwiegend Männer aus Afghanistan. Schnell gelangte sie zu der Frage: „Wie geht es weiter mit ihnen?“ Sie begleitete die Geflüchteten bei Besuchen im Jobcenter und anderen Behördengängen. Einem jungen Mann konnte sie so helfen, einen Platz in einer Maßnahme zur beruflichen Orientierung zu finden - einen anderen in einer internationalen Klasse am Berufskolleg unterbringen. „Es sind die Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, denen ich gern helfen möchte“, erklärt Magdalena Trockel-Schroers ihr Engagement.

Jobpaten mit Mut, Geduld und Zeit

Überall im Erzbistum Köln helfen Jobpatinnen und Jobpaten Flüchtlingen bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Drei von ihnen berichten über ihre Erfahrungen: Was gelingt gut? Welche Herausforderungen gibt es noch?

Links für Ehrenamtliche

Mentoren: Vorbild auf dem Weg in den Arbeitsmarkt

Mentorenprogramm als Einstieg ins Berufsleben bei der Caritas Remscheid

Mentorenprogramme funktionieren wie ein Türöffner ins Berufsleben, diese Erfahrung durfte ich selbst machen. Gegen Ende meines Studiums der Regionalstudien Lateinamerikas an der Universität zu Köln habe ich am Cornelia Harte Mentoring Programm teilgenommen. Dieses Programm lief für ca. ein Jahr und basierte auf einem One-to-One-Mentoring, einem Begleitprogramm aus Workshops und Impulsvorträgen sowie Netzwerkarbeit der Teilnehmerinnen.

Besonders wichtig bei diesem Programm fand ich den Austausch zwischen Mentorin und Mentee. In meinem Fall wurde mir eine Mentorin zugewiesen, die bereits mehrere Jahre Berufserfahrung in der Wirtschaft aufzuweisen hatte. Davon profitierte ich sehr. Ich bekam erste Einblicke in die deutsche Arbeitswelt und konnte meine fachlichen Fähigkeiten verbessern.

Es entwickelte sich eine intensive Mentorin-Mentee-Beziehung, in der wir in aller Offenheit auch schwierige Themen besprechen und Lösungen finden konnten. Meine Mentorin hatte selbst einen Migrationshintergrund und machte mir Mut, meine beruflichen Ziele auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiterzuverfolgen. Damit war sie ein wichtiges Vorbild für mich. Eine Migrationsgeschichte zu haben birgt ein großes Potenzial, denn ein Verständnis für die kulturelle und sprachliche Vielfalt unserer Gesellschaft ist eine Bereicherung, die ich in der täglichen Arbeit einbringen kann.

Vor diesem Hintergrund habe ich mit der Jobpaten-Initiative im Caritasverband Remscheid ein ähnliches Vorhaben auf den Weg gebracht. Denn der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt ist grundlegend für die Integration von Geflüchteten. Dafür ist die schnelle Vermittlung in Ausbildung und Arbeit eine zentrale Voraussetzung.

Ziel der Initiative ist der Ausgleich fluchtbedingter Nachteile hinsichtlich der Integration auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Dazu werden die Vorerfahrungen und Qualifikationen der Geflüchteten, die sie aus ihren Heimatländern mitbringen, aufgegriffen und mit passenden Maßnahmen gefördert. Begleitet werden geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene von geschulten Jobpaten in der Berufsorientierung sowie im Übergang von der Schule, dem Integrationskurs oder der Ausbildung ins Berufsleben. Ein gutes Beispiel dafür ist ein junger Syrer, der vor rund einem Jahr aus seinem Heimatland geflohen ist. Nun wird er von einem Remscheider – der ehemalige Geschäftsführer verfügt über ein breites Netzwerk an Kontakten – auf dem Weg in die Ausbildung begleitet. 

Zusätzlich unterstützt der Caritasverband Remscheid die Integration von Geflüchteten mit professionellen Beratungs- und Qualifizierungsangeboten. Diese Arbeit wird nun im Rahmen der Aktion Neue Nachbarn mit der Jobpaten-Initiative im Projekt „Neue Nachbarn – auch am Arbeitsplatz“ erweitert, besser vernetzt und mit neuem Schwung zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements sowie mit gezielter Beratung vom Caritasverband Remscheid verbunden.

Text: Leyla Velarde de Schüring

Projekt: "Neue Nachbarn - auch am Arbeitsplatz"

Das Projekt Neue Nachbarn – auch am Arbeitsplatz in der Aktion Neue Nachbarn startete am 1.5.2016 und wird nach einer Verlängerung am 30.4.2021 enden. Sein Ziel ist,  550 Flüchtlinge im Erzbistum Köln mit einer ehrenamtlichen Jobpatin oder einem Jobpaten zu unterstützen. Bis Mai 2019 waren schon über 340 solcher Jobpatenschaften entstanden. Bis zum Projektende sollen es 550 werden. 30 dieser Jobpatenschaften wollen wir konzeptionell neu als „Peer-Jobpatenschaften“ gestalten, davon 15 gezielt ausgerichtet auf Frauen. Unter „Peers“ verstehen wir Menschen, die sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden, etwa im Hinblick auf Alter, Familienstand oder Geschlecht. In Peer-Jobpatenschafen unterstützen beispielsweise junge deutsche Auszubildende junge geflüchtete Auszubildende, oder Mütter, die bereits Kindererziehung und Beruf vereinbaren, geflüchtete Mütter, die einen vergleichbaren Weg gehen wollen.

Johanna Schneider

Projektreferentin

Infos für Flüchtlinge

  • Der syrische YouTube-Star Firas Alshater erklärt, wie Pflege in Deutschland funktioniert (Arabisch): YouTube-Link
  • Der syrische YouTube-Star Firas Alshater erklärt, wie Geflüchtete in Deutschland eine Ausbildung zum Altenpfleger machen können (Arabisch): YouTube-Link
  • Film „Was bedeutet Heimat?“ mit Renas Azadi: YouTube-Link

Qualifizierungsangebote für Flüchtlinge

Links zur Arbeitsmarktintegration

Ausbildungsduldung

Um eine Ausbildung abzuschließen, können abgelehnte Asylbewerber für die Dauer der Ausbildung eine Duldung beantragen.

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