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Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln

Kürten und Odenthal: Danke an viele Geflüchtete, die uns in der Krise helfen

09.06.20 11:24
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Newsdesk/Je
Collage Fluchtpunkt Kürten (c) Fluchtpunkt Kürten

Die Corona-Pandemie hat Deutschland in den vergangenen Monaten stark verändert.

Als Flüchtlingshelfer wollen wir darauf hinweisen, dass auch viele unserer geflüchteten Mitbürger in „Systemrelevanten Berufe bzw. Berufsgruppen“ arbeiten und damit ein höheres Infektionsrisiko in Kauf nehmen. Im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit, die über das gemeinsame Teilhabemanagement der Gemeinden Kürten und Odenthal entstanden ist, hat der Fluchtpunkt Kürten zusammen mit dem Arbeitskreis Asyl Odenthal konkret nachgefragt, wer in welchen Berufen während der Krise für uns tätig ist und welche Erfahrungen gemacht wurden.

Das Spektrum der „systemrelevanten“ Berufe ist viel größer als man auf den ersten Blick vermutet. Die Allgemeinheit müsste auf viele Dinge verzichten, wenn die Flüchtlinge unserer Gemeinden der Arbeit ferngeblieben wären.

Tsnat, Müllabfuhr (c) Fluchtpunkt Kürten

Tsnat, Eritrea, Berufskraftfahrer

„Ich fahre einen Müllwagen. Ich hole große Tonnen mit Gewerbemüll aus den Industriegebieten ab und bringe ihn zur Verbrennungsanlage. Manchmal stört mich an meinem Beruf, dass der Müll so stark stinkt. 

Die Chefs, die Kollegen und die Kunden von unserer Firma gehen immer nett miteinander um. In Corona -Zeiten bekommen wir Desinfektionsmittel von der Firma. Wir müssen Abstand halten und die Kundenaufträge müssen im Moment nicht unterschrieben werden, damit wir nicht zu nah zu den Leuten müssen.“

Elman, Aserbaidschan, Busfahrer (c) Fluchtpunkt Kürten

Elman, Aserbaidschan, Busfahrer

„Ich arbeite als Linienbusfahrer in Hürth. Für diesen Job bin ich sehr dankbar und er macht mir Spaß. Ich bin zufrieden. Negative Erlebnisse habe ich, Gott sei Dank, in meinem Job bisher noch nicht gehabt.“

Mohammed, Irak, Hol-und Bringservice Krankenhaus (c) Fluchtpunkt Kürten

Mohammed, Irak, Service Krankenhaus

„Ich arbeite im Hol- und Bringdienst eines Krankenhauses.  Ich versorge die Stationen mit sauberen Betten und Kommoden und ich machen den Patientenbegleitdienst, z.B. zum Röntgen. Ich muss auch die Blutproben von allen Stationen abholen; auch von der Covid-19 Station. Wenn ich Patienten zur Untersuchung bringe, muss ich Schutzkleidung, Handschuhe, einen Speziellen Mundschutz und eine Schutzbrille tragen. Damit ist das das Atmen sehr anstrengend. Wir haben auch viel Stress, weil alles immer schnell gehen muss. Positiv ist, dass ich mich sehr freue, anderen Menschen helfen zu können.“ 

Elias, Pflegeassistent (c) Fluchtpunkt Kürten

Elias, Eritrea, Pflegeassistent in einem Altersheim

„Ich arbeite als Pflegeassistent in einem Altersheim. Die Arbeit ist für mich nicht neu und damit auch nicht so schwer. In meinem Heimatland Eritrea habe ich schon im Bereich Krankenpflege gearbeitet. Ich hoffe, dass meine Zeugnisse hier in Deutschland bald anerkannt werden.“

Abdul Sameer, Einzelhandel (c) Fluchtpunkt Kürten

Abdul Sameer, Afghanistan, Verkäufer Supermarkt

„Ich erlebe viele positive Dinge an meinem Arbeitsplatz. Der Chef und meine Kollegen sind sehr nett und freundlich. 

Es freut mich, dass ich als Flüchtling in diesen schwierigen Corona- Zeiten für andere Menschen arbeiten kann. Deutschland hat uns sehr viel geholfen. Jetzt ist es an uns, etwas zurück zu geben.“

Sara, Einzelhandel (c) Fluchtpunkt Kürten

Sara, Nigeria, Supermarkt, Verkäuferin-Azubi

„Ich arbeite in einem Supermarkt. Dort sitze ich an der Kasse oder fülle die Regale auf. In unserm Supermarkt war in letzter Zeit wirklich sehr viel los, weil die Kunden so viel gekauft haben wegen dem lock down. Viele Kunden hatten Angst, was später passiert.“

Jomaa, Syrien, Busfahrer (c) Fluchtpunkt Kürten

Jomaa, Syrien, Busfahrer

„Ich arbeite als Busfahrer in Hürth, Brühl und Wesseling. Meine Arbeit gefällt mir sehr gut. Manchmal gibt es ein bisschen Stress.“

Osman, Eritrea, Auslieferungsfahrer und Lagerhelfer (c) Fluchtpunkt Kürten

Mustafa, Irak und Osman, Eritrea Auslieferungsfahrer und Lagerhelfer

„Viele Online-Bestellungen müssen ausgeliefert werden. Viel Arbeit. In den Paketzentren wird immer auf Sicherheit geachtet, jeder bekommt Masken und Pausen dürfen nur kleine Gruppen machen. Chef und Kollegen sind nett. Falls jemand krank wird, muss er zu Hause  bleiben“

Mustafa, Irak, Amazon-Auslieferungsfahrer (c) Fluchtpunkt Kürten
Qurban Ali, Afghanistan, Textilreiniger-Azubi (c) Fluchtpunkt Kürten

Qurban Ali, Afghanistan, Textilreiniger-Azubi

„Als die Corona-Krise anfing, hatten wir von einem auf den anderen Tag sehr wenig zu tun. Wir haben Kurzarbeit angemeldet und nur noch bis Mittag gearbeitet. Auch meine Berufsschule ist in der Zeit ausgefallen. Seit den Lockerungen bringen die Leute wieder mehr Wäsche zur Reinigung und jetzt beginnt auch die Berufsschule wieder.“

Mamoudou, Guinea, Bäckereiverkäufer bei Kürtener Landbäckerei (c) Fluchtpunkt Kürten

Mamoudou, Guinea, Bäckereiverkäufer

„Ich arbeite in einer Bäckerei. Meine Kollegen sind sehr nett. Ich arbeite im Verkauf.“

Yas, Irak, Industriereiniger (c) Fluchtpunkt Kürten

Yas, Irak, Industriereiniger

„ Ich arbeite als Reiniger für Maschinen und Geräte in einer Lebensmittelfabrik. Die Arbeit ist sehr schmutzig. Wegen der Hygienemaßnahmen in der Lebensmittelindustrie muss ich schon immer Schutzkleidung tragen und mir gut die Hände waschen. Seit Corona müssen wir auch einen Mund-Nase-Schutz tragen und Abstand untereinander halten. Meistens arbeite ich in der Nachtschicht.

Leider ist mein Auto alt und oft kaputt und es fährt nachts kein Bus nach Kürten. Das macht das Arbeiten manchmal schwierig. Leider habe ich keinen guten Aufenthaltsstatus. Deshalb bekomme kein Kindergeld für meine beiden Töchter und kann kein Wohngeld beantragen. Meine Kollegen kommen aus allen möglichen Ländern. Es sind auch viele Deutsche dabei. Wir verstehen uns alle gut.“

Liaqat, Pakistan, Industriereinigung (c) Fluchtpunkt Kürten

Liaqat, Pakistan, Industriereinigung

„Ich bin Industriereiniger. Über meine Firma kann ich nur positives sagen. Mein Chef hat in dieser Corona-Zeit sogar für alle Mitarbeiter Masken besorgt, damit wir gesund bleiben.“

Awet, Eritrea, Müllabfuhr (c) Fluchtpunkt Kürten

Awet, Eritrea, Müllabfuhr

„Ich bin Müllmann. Das ist ein schöner Job. Ich bin immer draußen, das mag ich. Dann einzig negative, was ich nennen kann, ist wenn es regnet. Ich bin zufrieden mit meiner Arbeit.“

Nawid, Afghanistan, Dachdecker (c) Fluchtpunkt Kürten

Nawid, Afghanistan, Dachdecker

„Ich habe zwar keine Dachdeckerausbildung, habe aber in den vier Jahren praktischer Arbeit alles gelernt, was ich brauche. Ich kann sehr gut Schiefer verarbeiten, Dachpfannen legen und Dachrinnen anbringen. Mein Chef ist sehr zufrieden mit mir.“

Maarif, Aserbaidschan, Produktionshelfer (c) Fluchtpunkt Kürten

Maarif, Aserbaidschan, Produktionshelfer

„Mein Job ist Produktionshelfer. Ich arbeite in der Lebensmittelproduktion und helfe einem Maschinenführer“.

Basel, Syrien, Pizza-Taxi-Fahrer und Busfahrer-Azubi (c) Fluchtpunkt Kürten

Basel, Syrien, Pizza-Taxi-Fahrer und Busfahrer-Azubi

„Ich mache eine Ausbildung zum Busfahrer. Wegen Corona wurde die Ausbildung unterbrochen, alle IHK-Prüfungstermine wurden abgesagt.  Aus diesem Grund fahre ich im Moment mit meinem privaten PKW Pizza zu den Leuten. Ich hoffe sehr, dass die Ausbildung ab Mitte Juni weiter geht und ich in 2021 endlich richtig Vollzeit arbeiten kann.“

Alma, Albanien, Kundenberaterin in einem Sanitätshaus (c) Fluchtpunkt Kürten

Alma, Albanien, Kundenberaterin in einem Sanitätshaus

„Ich arbeite als Kundenberaterin in einem Sanitätshaus. Es ist schön, auch in dieser schwierigen Zeit für die Menschen da zu sein, die Hilfe brauchen. Viele Menschen sind sehr dankbar, wenn wir sie gut beraten haben. Einige wenige halten sich leider nicht an die Hygieneregeln. Das ist sehr schade und wir bitten die Kunden dann höflich um Einhaltung.“

Habib, Iran, Altenpfleger (c) Fluchtpunkt Kürten

Habib, Iran, Altenpfleger

„Seit 4 Jahren arbeite ich als Altenpflege-Assistent in einer Senioren-Einrichtung. Die Arbeit ist körperlich richtig schwer und auch geistig, weil man Verantwortung für Menschen trägt. Trotzdem fühle ich mich wohl und es macht mir Freude, wenn ich Menschen helfen kann, die den Alltag selbständig nicht mehr bewältigen können. Am schlimmsten ist für mich, wenn einer unserer Bewohner stirbt. Zurzeit mache ich eine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger.“

Tamara, Armenien, Altenpflegeassistentin (c) Fluchtpunkt Kürten

Tamara, Armenien, Altenpflegeassistentin

„Ich helfe unseren Patienten beim Essen, Waschen/Duschen und beim Anziehen. Ich mache auch die Betten frisch. Viele Bewohner sitzen im Rollstuhl und ich helfe ihnen dabei. Das ist eine schwere Arbeit und oft habe ich abends Rückenschmerzen. Unsere Patienten dürfen keinen Besuch bekommen. Das ist sehr schwierig für die Menschen.

Zum Glück gibt es in unserem Heim keine Corona-Fälle. Ich wurde auch schon getestet. Wir müssen immer Schutzmasken tragen und bei den  Bewohnern müssen wir 2-mal täglich Fieber messen. Viele Leute haben Angst vor Corona. Aber trotzdem sind alle Kollegen sehr nett miteinander.“

Sirajo, Guinea, Altenpfleger-Azubi (c) Fluchtpunkt Kürten

Sirajo, Guinea, Altenpfleger-Azubi

„Zusammen mit meinen Kollegen bin ich für die Versorgung der alten Menschen in unserem Heim zuständig. Waschen, Anziehen, Medikamente verteilen, Hilfe bei Essen geben. Unsere Patienten dürfen im Moment nicht raus gehen und keinen Besuch empfangen. Das ist sehr schlimm für die Menschen. Wir versuchen sie zu beschäftigen mit Spazieren gehen, Sport, Gymnastik und Unterhaltung.

Bei der Arbeit müssen wir immer Schutzkleidung tragen. Zum Glück hatten wir in unserm Haus noch keinen Corona fall. Ich bin auch schon 4-mal getestet worden.“

Mohammed, Syrien, Koch Azubi (c) Fluchtpunkt Kürten

Mohammed, Syrien, Koch Azubi

„Ich mache gerade meine Prüfung als Koch. Die Arbeit macht mir viel Spaß. Leider sind noch einige Kollegen in Kurzarbeit. Ich selber hatte keine Schwierigkeiten und konnte meine Ausbildung ohne Unterbrechung fortsetzen.“

Hemn, Irak, Online Versandhandel (c) Fluchtpunkt Kürten

Hemn, Irak, Online Versandhandel

„Ich arbeite im Versandhandel und habe keine Probleme mit meinem Job.“ 

Mohammed, Mali,  Umzugs- und Transporthelfer (c) Fluchtpunkt Kürten

Mohammed, Mali, Umzugs- und Transporthelfer

außerdem ist er ein toller Rapper! 🎤🎼

Hanna, Irak, Supermarkt Azubi (c) Fluchtpunkt Kürten

Hanna, Irak, Supermarkt Azubi

„Vor Corona war ich nur in der Frischkäseabteilung tätig. Jetzt bin ich viel öfter hier, da die Berufsschule ausgefallen ist. Da bediene ich auch in der Wurst- und Fischabteilung.

Positiv ist, dass ich jetzt überall eingesetzt werde, das macht Spaß! Negativ ist aber, dass die Berufsschule und damit die Theorie so lange ausgefallen ist. Ich brauche aber den theoretischen Unterricht, um die Abschlussprüfung zu schaffen.“

Axmed, Somalia, Kommissionierer und Produktionshelfer

„Meine wichtigsten Aufgaben sind zurzeit im Bereich der Kommissionierung. Ich bereite im Lager die Kartonagen für die Verpackung und den Versand der Produkte vor. Hierbei handelt es sich um Produkte aus dem Gesamtsortiment z.B. Kaffee, Cappuccino, Trinkschokolade oder Tee. Des Weiteren bin ich als Produktionshelfer bei dem Maschinenführer eingeteilt.

In dieser Zeit habe ich sehr positive Erfahrungen im Umgang mit den Mitarbeitern gemacht. Wir tragen unseren Nasen-/Mund-Nase-Schutz und halten uns an die Abstandsregeln. Selbstverständlich werden die Hygieneregeln eingehalten.“

Ghamay, Afghanistan, Einzelhandel im Rewe Odenthal (c) Fluchtpunkt Kürten

Ghamay, Afghanistan, Einzelhandel

„Ich hatte kurz vor Corona meine Einzelhandelskaufmannslehre abgeschlossen. Seitdem arbeite ich bei beim Rewe-Markt in Odenthal und bin dort für das Auspacken der Ware, das Einräumen und die Sortierung des Obsts und Gemüses zuständig.

In meinen Bereich fällt auch das ständige Bereitstellen des Desinfektionsmittels, der Reinigungstücher und Einmalhandschuhe.

Negativ war zu sehen, wie viele Leute anfangs der Pandemie panisch waren. Wegen Klopapier, Mehl und Hefe, das anfangs nicht da war, waren manche Leute auch sehr aggressiv.

Sie vermittelten das Gefühl, dass ich und meine Kollegen dafür verantwortlich seien. Ich selbst sehe die Krisenbewältigung als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Positiv war, dass es viel Arbeit gab. Das hat mir Spaß gemacht und auch, dass es zweimal eine Sonderzahlung vom Chef gab, hat mich sehr gefreut.“

Warum arbeiten so viele Flüchtlinge in systemrelevanten Berufen?

Nur wenige geflüchtete Menschen können hier in Deutschland in dem Beruf arbeiten, den sie im Heimatland ausgeübt haben und mit dem sie dort ihre Familien ernährt haben. Die Gründe sind vielfältig. Oft werden Zeugnisse und Abschlüsse (auch Hochschulabschlüsse) nicht anerkannt und es sind umfangreiche zusätzliche Schulungen notwendig. Oder der Beruf wurde im "learning-by-doing" erlernt und es gibt gar keinen Abschluss.

Daher müssen viele Menschen, die im Heimatland ihren Mann/ihre Frau gestanden haben und ihre Familie durch ihre Arbeit ernährten, in Deutschland beruflich bei Null anfangen. Wir haben unter den Geflüchteten Rechtsanwälte, Politologen, Ingenieure, LKW-Fahrer, Lehrer, Krankenpfleger, IT-Fachleute, für die die Hürden, hier in Deutschland in ihren Berufen zu arbeiten, sehr hoch sind. Mancher geflüchtete Mensch hat sich von dieser Situation so sehr runterziehen lassen, dass er/sie nicht sofort die Energie aufbringen konnte, den neuen Lebensweg aktiv anzufassen. Die meisten wollen aber unbedingt arbeiten und nicht von staatlicher Unterstützung leben. Aus diesem Grund haben sie vielfach Hilfsjobs angenommen oder einfachere Weiterbildungen angestrebt, obwohl sie aufgrund ihrer Qualifikation ganz andere Berufe ausüben könnten. Somit kann man fleißige ausländische Müllmänner und Pflegekräfte mit ganz anderen Augen ansehen, ihre Lebensleistung anerkennen und schätzen und dankbar sein, dass sie für uns in diesen anstrengenden Jobs tätig sind.