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Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln
Integration in den Arbeitsmarkt

Integration in Arbeit

Integration in den Arbeitsmarkt

Arbeit ist ein Menschenrecht und zugleich ein wichtiger Beitrag zur Integration von Flüchtlingen in unsere Gesellschaft. Die Gesetzeslage zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten ist in den letzten Jahren deutlich vereinfacht worden. Dennoch sind erhebliche Hindernisse für eine faire Teilhabe an guter Erwerbsarbeit in Deutschland geblieben. Hier unterstützt die "Aktion Neue Nachbarn".

In zahlreichen katholischen Diensten und Einrichtungen unterstützen berufliche Fachkräfte die Integration von Geflüchteten in den Arbeit und Ausbildung mit professionellen Beratungs- und Qualifizierungsangeboten. Ihre Arbeit wird innerhalb der "Aktion Neue Nachbarn" vernetzt und mit neuen Initiativen zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements sowie der gezielten Beratung kirchlicher Arbeitgeber verbunden.

Fachforum zusammen:arbeiten am 2. Dezember

Geflüchtete, Arbeitgeber und alle, die sie ehrenamtlich und hauptamtlich unterstützen, erwartet ein vielfältiges Programm mit Workshops, Orientierungsgesprächen und Zeit für Begegnung.

Anmeldeschluss: 20. November

Fortbildung: in Arbeit und Ausbildung begleiten

Das Online-Seminar „Geflüchtete Menschen in Arbeit und Ausbildung begleiten“ richtet sich an Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe und Arbeitgeber. Acht Unterrichtseinheiten vermitteln wichtiges Strukturwissen.

Jobpaten mit Mut, Geduld und Zeit

Überall im Erzbistum Köln helfen Jobpatinnen und Jobpaten Flüchtlingen bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Drei von ihnen berichten über ihre Erfahrungen: Was gelingt gut? Welche Herausforderungen gibt es noch?

5 Tipps für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber

  1. Melden Sie sich beim Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit. Wichtige Informationen der BA zur Einstellung Geflüchteter finden Sie in der Broschüre der Arbeitsagentur (PDF).
  2. Sie sind nicht allein! Es hat sich ein vielfältiges Netzwerk an Hilfsstrukturen (PDF) etabliert. Um sich dort zurecht zu finden, kontaktieren Sie gerne den Projektreferenten Alexander Gabriel (Kontaktdaten s. unten).
  3. Nutzen Sie staatliche Förderinstrumente. Eine Übersicht finden Sie auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.
  4. Die Willkommenslotsen der IHK und HWK sind darauf spezialisiert, Geflüchtete in Ausbildung zu vermitteln. Lassen Sie sich dort in die Datenbank aufnehmen.
  5. Informieren Sie sich im Internet. Unter den zahlreichen Portalen empfehlen wir Ihnen die Seiten des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) und die Übersicht „Der Unternehmenswegweiser“ des Projektes Unternehmen Berufsanerkennung.

"Wir haben einen sehr motivierten jungen Mann dazugewonnen"

Kirche und Caritas sind mit ihren Einrichtungen und Diensten ein wichtiger Arbeitgeber im Rheinland. Viele von ihnen bilden junge Menschen in ganz unterschiedlichen Bereichen aus. Am Katholisch-Sozialen Institut (KSI) in Siegburg absolviert ein junger Mann aus Myanmar eine Lehre zum Hotelfachmann.

Projekt Arbeitgeberservice: "Willkommen Kollege! Willkommen Kollegin!"

Hintergrund

  • Im Erzbistum Köln gibt es viele katholische Organisationen und Institutionen, die als Arbeitgeber Flüchtlinge beschäftigen können (z.B. Pfarreien, Verbände, Gesellschaften, Orden etc.).
  • Das Erzbischöfliche Generalvikariat hat bereits im Sommer 2015 zwei junge Flüchtlinge als Auszubildende eingestellt.
  • Aufgabe ist es, weitere kirchliche Arbeitgeber zu finden, die dem guten Beispiel folgen und gezielt Flüchtlinge einstellen.

Ziele

  • Innerhalb von drei Jahren sollen bei kirchlichen Arbeitgebern im Erzbistum Köln 100 reguläre (also sozialversicherungspflichtige und tariflich entlohnte) Ausbildungs- oder Arbeitsplätze mit Flüchtlingen besetzt werden.
  • Aufbau eines spezifischen Beratungsservices für kirchliche und caritative Arbeitgeber im Erzbistum Köln.
  • Sensibilisierung und interkulturelle Öffnung des kirchlichen Arbeitsmarktes.

Alexander Gabriel

Projektreferent

5 Tipps an zukünftige Jobpatinnen und Jobpaten

  1. Werden Sie zum Dauerläufer!

    Viele Geflüchtete wollen am liebsten sofort in den Beruf einsteigen, um Geld zu verdienen. Für eine längerfristige Perspektive ist es jedoch wichtig, die beruflichen Möglichkeiten zu kennen, um nicht im Niedriglohnsektor zu verharren.

  2. Nutzen Sie Ihre eigenen Netzwerke!

    Jeder kennt jemanden, der wieder jemanden kennt. Oftmals tun sich neue Möglichkeiten und Ideen auf, wenn man über die Ziele, die man sich als Tandem gesteckt hat, spricht. Erzählen Sie in der Nachbarschaft, in der Gemeinde und im Freundes- und Bekanntenkreis von den Berufswünschen Ihres Mentees.

  3. Sprechen Sie!

    Sprache ist das A und O. Versuchen Sie so viel wie möglich, in deutscher Sprache zu erklären und zu vermitteln. Auch der Besuch eines Kurses, um die berufsspezifische Sprache zu erlernen, ist ein guter Wegbegleiter in das Arbeitsleben.

  4. Erklären Sie die deutsche Arbeitswelt!

    In vielen Ländern läuft der Arbeitsalltag anders als hierzulande. All das, was für Sie als selbstverständlich erscheint, kann für Ihren Mentees völlig fremd sein. Erklären Sie also auch die Dinge, die für Sie Routine sind.

  5. Feiern Sie auch kleine Erfolge!

    Freuen Sie sich über jeden Erfolg, den Sie zusammen im Tandem erzielt haben. Je mehr Erfolge sichtbar sind, desto größer ist die Motivation, weitere Ziele zu verfolgen.

Drei Job-Tandems stellen sich vor

Willi Rauschenberg, 68, aus Kaarst:

Als Willi Rauschenberg Anfang 2016 in den Ruhestand ging, suchte der frühere Geschäftsführer eines mittelständischen Betriebes eine sinnvolle Aufgabe. Er fand sie unter anderem in der Flüchtlingsarbeit und betreut inzwischen vier syrische Brüder im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Während es zunächst um die Vermittlung der Sprache ging, haben sich mit der Zeit ganz unterschiedliche Bedürfnisse herauskristallisiert. Für den zweitältesten der Brüder, den 21-jährigen Bilal, ist er mittlerweile zum Jobpaten geworden: Er hat ihm einen Praktikumsplatz als Friseur besorgt. Ein Handwerk, das Bilal bereits in seiner Heimat erlernt hatte. „Man muss an viele Türen klopfen und oft auch Vorbehalte überwinden“, so Willi Rauschenberg. Zugleich muss er seinen Schützlingen vermitteln, was im Arbeitsalltag in Deutschland gefragt ist.

Alfons Kelz, 66, aus Bonn:

Alfons Kelz engagiert sich seit Sommer 2014 in der Flüchtlingsarbeit. Gemeinsam mit seiner Frau beteiligte er sich zunächst an einem Begegnungscafé für Menschen, die in einer Flüchtlingsunterkunft in seiner Nachbarschaft leben. Dort musste er feststellen, dass die Besucher nicht nur Gemeinschaft suchen, sondern auch große Nöte und Sorgen mitbringen, die viel mit organisatorischen Fragen zu tun haben: Wie finde ich einen Kindergartenplatz? Wie komme ich an eine Wohnung? Wie lassen sich berufliche Perspektiven entwickeln? Hier hilft der Ruheständler, der früher bei einer Sparkasse beschäftigt war, ganz konkret bei Behördengängen oder beim Ausfüllen von Formularen. „Ich habe seither sehr viel Zeit im Jobcenter verbracht“, sagt Alfons Kelz.

Magdalena Trockel-Schroers, 56, aus Bonn:

Die selbstständige Hausverwalterin hat zunächst eine Alphabetisierungsgruppe in einem Flüchtlingsheim in ihrer Nachbarschaft angeboten. Sie betreute dort überwiegend Männer aus Afghanistan. Schnell gelangte sie zu der Frage: „Wie geht es weiter mit ihnen?“ Sie begleitete die Geflüchteten bei Besuchen im Jobcenter und anderen Behördengängen. Einem jungen Mann konnte sie so helfen, einen Platz in einer Maßnahme zur beruflichen Orientierung zu finden - einen anderen in einer internationalen Klasse am Berufskolleg unterbringen. „Es sind die Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, denen ich gern helfen möchte“, erklärt Magdalena Trockel-Schroers ihr Engagement.

Jobpaten mit Mut, Geduld und Zeit

Überall im Erzbistum Köln helfen Jobpatinnen und Jobpaten Flüchtlingen bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Drei von ihnen berichten über ihre Erfahrungen: Was gelingt gut? Welche Herausforderungen gibt es noch?

Mentoren: Vorbild auf dem Weg in den Arbeitsmarkt

Mentorenprogramm als Einstieg ins Berufsleben bei der Caritas Remscheid

Mentorenprogramme funktionieren wie ein Türöffner ins Berufsleben, diese Erfahrung durfte ich selbst machen. Gegen Ende meines Studiums der Regionalstudien Lateinamerikas an der Universität zu Köln habe ich am Cornelia Harte Mentoring Programm teilgenommen. Dieses Programm lief für ca. ein Jahr und basierte auf einem One-to-One-Mentoring, einem Begleitprogramm aus Workshops und Impulsvorträgen sowie Netzwerkarbeit der Teilnehmerinnen.

Besonders wichtig bei diesem Programm fand ich den Austausch zwischen Mentorin und Mentee. In meinem Fall wurde mir eine Mentorin zugewiesen, die bereits mehrere Jahre Berufserfahrung in der Wirtschaft aufzuweisen hatte. Davon profitierte ich sehr. Ich bekam erste Einblicke in die deutsche Arbeitswelt und konnte meine fachlichen Fähigkeiten verbessern.

Es entwickelte sich eine intensive Mentorin-Mentee-Beziehung, in der wir in aller Offenheit auch schwierige Themen besprechen und Lösungen finden konnten. Meine Mentorin hatte selbst einen Migrationshintergrund und machte mir Mut, meine beruflichen Ziele auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiterzuverfolgen. Damit war sie ein wichtiges Vorbild für mich. Eine Migrationsgeschichte zu haben birgt ein großes Potenzial, denn ein Verständnis für die kulturelle und sprachliche Vielfalt unserer Gesellschaft ist eine Bereicherung, die ich in der täglichen Arbeit einbringen kann.

Vor diesem Hintergrund habe ich mit der Jobpaten-Initiative im Caritasverband Remscheid ein ähnliches Vorhaben auf den Weg gebracht. Denn der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt ist grundlegend für die Integration von Geflüchteten. Dafür ist die schnelle Vermittlung in Ausbildung und Arbeit eine zentrale Voraussetzung.

Ziel der Initiative ist der Ausgleich fluchtbedingter Nachteile hinsichtlich der Integration auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Dazu werden die Vorerfahrungen und Qualifikationen der Geflüchteten, die sie aus ihren Heimatländern mitbringen, aufgegriffen und mit passenden Maßnahmen gefördert. Begleitet werden geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene von geschulten Jobpaten in der Berufsorientierung sowie im Übergang von der Schule, dem Integrationskurs oder der Ausbildung ins Berufsleben. Ein gutes Beispiel dafür ist ein junger Syrer, der vor rund einem Jahr aus seinem Heimatland geflohen ist. Nun wird er von einem Remscheider – der ehemalige Geschäftsführer verfügt über ein breites Netzwerk an Kontakten – auf dem Weg in die Ausbildung begleitet. 

Zusätzlich unterstützt der Caritasverband Remscheid die Integration von Geflüchteten mit professionellen Beratungs- und Qualifizierungsangeboten. Diese Arbeit wird nun im Rahmen der Aktion Neue Nachbarn mit der Jobpaten-Initiative im Projekt „Neue Nachbarn – auch am Arbeitsplatz“ erweitert, besser vernetzt und mit neuem Schwung zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements sowie mit gezielter Beratung vom Caritasverband Remscheid verbunden.

Text: Leyla Verlarde de Schüring

Projekt: "Neue Nachbarn - auch am Arbeitsplatz"

Hintergrund

  • Zu einem würdevollen Leben für Geflüchtete im Erzbistum Köln gehört die Chance auf faire Teilhabe an guter Erwerbsarbeit.
  • Die rechtlichen Möglichkeiten für die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt haben sich erheblich verbessert. Faktisch benötigen viele der Geflüchteten - über die Dienstleistungen der öffentlichen Stellen hinaus – viel mehr Unterstützung bei der beruflichen Neu- und Umorientierung.
  • Die ehrenamtlichen Netzwerke in der Flüchtlingshilfe leisten dabei Großartiges. Sie sind im Bereich der Ersthilfen und der Willkommenskultur schon sehr vielfältig engagiert. Die Potentiale, die in diesen Netzwerken für eine Unterstützung der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt liegen, sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft.
  • Paten-Modelle sind auch in vielen anderen Bereichen bereits erfolgreich im Einsatz.

Ziele

  • Für mindestens 300 Flüchtlinge im Erzbistum Köln einen ehrenamtlichen Jobpaten/eine ehrenamtliche Jobpatin gewinnen
  • Innerhalb des Erzbistums Köln mindestens 30 Veranstaltungen zum Thema „Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt“ durchführen: Angesprochen sind Ehrenamtliche, kleine und mittlere Unternehmen sowie Flüchtlinge

Sie möchten auch in Ihrer Region Jobpatenschaften aufbauen oder begleiten bereits Ehrenamtliche, die die Arbeitsmarktintegration von geflüchteten unterstützen? Dann sprechen Sie uns an! Wir unterstützen Sie gerne.

Janine Bongard

Projektreferentin

Infos für Flüchtlinge

  • Der syrische YouTube-Star Firas Alshater erklärt, wie Pflege in Deutschland funktioniert (Arabisch): YouTube-Link
  • Der syrische YouTube-Star Firas Alshater erklärt, wie Geflüchtete in Deutschland eine Ausbildung zum Altenpfleger machen können (Arabisch): YouTube-Link
  • Mehrsprachige Informationen zu den Pflegeberufen in Deutschland bietet das Caritas-Projekt „Die Zukunft der Pflege ist bunt“
  • Film „Was bedeutet Heimat?“ mit Renas Azadi: YouTube-Link

Links zur Arbeitsmarktintegration